Wann bist du auf den Geschmack von Schokolade gekommen?
Als Kind, da musste es natürlich Vollmilch sein. Ich in der DDR aufgewachsen und habe damals schon ‚Westschokolade‘ bekommen, wo die ersten Unterschiede schon erkennbar waren. Die ‚Ostschokolade‘ war damals eigentlich ungenießbar.
Durch die Fliegerei entwickelte sich dann bei mir der entscheidende Geschmackssinn. In meiner Tätigkeit als Stewardess habe ich oft in Hotels übernachtet. Hier gab es meistens ein ‚Betthupferl‘ in Form von Schokolade und ich habe die ersten relevanten Geschmacks- und Qualitätsunterschiede festgestellt. Mal war es eben gute und Mal weniger gute Schokolade.
Was löst Schokolade bei dir aus?
Schokolade löst bei mir, egal in welcher Verfassung ich bin, Glücksmomente aus. A piece of chocolate a day, keeps the doctor away
Ehrlich gesagt liegt viel an meiner Tagesverfassung. Bin ich gut gelaunt, genieße ich die dunklen Schokoladen und bin happy. Ist mein Tag nicht so prickelnd, nehme ich eine etwas süßere Schokolade, wie Vollmilch, und dann darf es auch etwas mehr sein.
Deine Schoko-Galerie gibt es jetzt dann 9 Jahre – es gibt aber noch keine Zeichen von Überdruss an Schokolade?
Nein, gibt es natürlich nicht. Nur esse ich jetzt gezielter und noch bewusster, weil ich weiß, wie aufwendig es ist, gute Schokolade herzustellen. Dabei achte ich auch auf die Herkunft, die Bedingungen vor Ort und natürlich die handwerkliche Verarbeitung.

Kerstin Weise

Kerstin Weise

Welche Vorlieben haben die Münchner abseits der saisonalen Highlights?
Die Vorlieben der Münchner unterscheiden sich nicht wesentlich von allen anderen. Der Münchner legt großen Wert auf Qualität und Geschmack. Gerne darf es mach mal die hundertprozentige Schokolade sein. Denn die ist ohne Zucker und entfaltet eine Geschmacksexplosion im Mund, die sehr lange anhält.
Was im Gegensatz zum Norden von Deutschland in Bayern überhaupt nicht gewünscht wird, ist Lakritze. Die hatte ich am Anfang auch im Sortiment (z. B. weiße Schokolade mit Lakritz Stückchen, oder geröstete Kakaobohnen mit Lakritze ummantelt). Das waren Ladenhüter die ich aus dem Sortiment nehmen musste.
Hat sich in den letzten Jahren etwas an den Vorlieben verändert?
Oh, ja. Die Kunden kaufen bewusster. Der Kunde hinterfragt vieles. Er studiert aufmerksam die Inhaltsangaben, die Herkunftsbezeichnungen. Und das ist gut so. Das Qualitätsbewusstsein hat sich zum Positiven gewendet und der Kunde gibt auch gerne etwas mehr für die Schokolade aus, wenn er weiß, dass sie unter fairen Bedingungen und in Bioqualität hergestellt wurde.
Nicht zu unterschätzen ist der Trend zu veganer sowie laktose- und glutenfreier Schokolade.
Gibt es den ultimativen Moment, um in Liebe zu Schokolade zu verfallen?
Der beste Moment um Schokolade zu verfallen, ist der, in dem Du sie genießt.